Partnerschaft


Geschichte einer Partnerschaft – wie alles begann...

 

Wir, die Vorstandschaft in der Kolpingfamilie, waren der Auffassung, dass es nicht schaden könnte, auch einmal über den Tellerrand der eigenen Kolpingfamilie hinaus zu schauen. Eine Partnerschaft mit einer ausländischen Kolpingfamilie täte uns gut. In unserer Diözese gibt und gab es Partnerschaften hauptsächlich mit ungarischen Kolpingfamilien.

 

Wir aber wollten neue Wege beschreiten. In unserer Kolpingfamilie gibt es Vertriebene aus der ehemaligen Tschechoslowakei, die nach dem Krieg in Schrobenhausen eine neue Heimat gefunden haben. Auch daher war es naheliegend, eine Kolpingfamilie aus dem benachbarten Tschechien zu finden.

 

Gelegenheit gab es im Jahr Frühjahr 2000 anlässlich der Diözesanversammlung in Oberstdorf. Dort traf ich den Bundessekretär des tschechischen Kolpingwerkes Michael Kubik. Er wusste, dass viele seiner Kolpingfamilien Kontakt aufnehmen möchten. Ich erzählte ihm von unserer Kolpingfamilie und er wollte sich nach einer geeigneten Kolpingfamilie umsehen.

 

Am 30. Mai 2000 bekamen wir dann einen in Deutsch verfassten Brief der Kolpingfamilie Zamberk in dem sie schrieben: „Wir sind eine kleine Familie, wir haben nur über zwanzig Mitglieder. Unsere Stadt ist auch klein und liegt an der Grenze mit Polen im Adlergebirge. Unsere Arbeit ist auf Arbeit mit Kindern und jungen Leuten konzentriert. Das folgt aus der Realität, dass unsere Mitglieder relativ jung sind.“ Ich antwortete am 06.06.2000 und stellte dabei unsere Kolpingfamilie vor und lud die Vorstandschaft zu einem Besuch in Schrobenhausen ein. Auf dieses Schreiben erhielt ich aber erst im November 2000 eine Antwort, und im Dezember 2000 kam der Hinweis, dass in der Kolpingfamilie Zamberk derzeit für eine Partnerschaft kein Interesse zu wecken sei.

 

Am 18.01.2001 wandte sich Bundessekretär Kubik erneut an uns und schlug vor, sich doch mit der Kolpingfamilie Velká Bíteš in Verbindung zu setzen. Eine Beschreibung der erst 1996 gegründeten Kolpingfamilie hatte er seinem Schreiben gleich beigelegt. Einen Tag später in der Vorstandsitzung beschlossen wir, Kontakt mit der Kolpingfamilie auf zu nehmen. Das habe ich am nächsten Tag sofort dem Michael Kubik mitgeteilt und am selben Tag noch diese Antwort erhalten:

 

„Sehr geehrter Herr Knopf,

ich habe gerade das E-mail von Ihnen bekommen. Es hat mir große Freude gemacht und deshalb muss ich sofort antworten.

Es ist für mich persönlich eine sehr gute Nachricht, dass eine weitere tschechische Kolpingfamilie gute Freunde im Kolpingwerk Deutschland gefunden hat. Allgemeinverbesserung der zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen ist unsere große Aufgabe. Im Kolpingwerk sind sehr gute Möglichkeiten für diese Arbeit.

Die Kolpingfamilie Velká Bíteš hat schon ihre WWW Seiten gesehen und deshalb weiß sie schon etwas über die Kolpingfamilie Schrobenhausen.

Jetzt zu dem Treffen. In der Mitte ist es natürlich möglich. Wenn ihr aber die Lust und genug Benzin habt, können wir dieses Treffen bei uns in Zdar nad Sazavou im Kolpinghaus machen. Vielleicht ist diese Variante besser für die Leute aus Velká Bíteš, weil der Vorsitzende und seine Frau haben jetzt ein kleines Baby (das Dritte).“

 

Dazu kam es dann auch.

Wir trafen erstmals in der Kolpingzentrale zusammen und die Partnerschaft nahm ihren Lauf.

 


Nun können wir auf 10 Jahre Freundschaft mit unserer Partnerschaftsfamilie in Velká Bíteš zurückblicken. Das erste Treffen war im März 2002 in Velká Bíteš. Noch im Oktober 2002 statteten der damalige Vorstand Tomáš Lajkep mit seiner Frau Eva sowie Tomáš und Miriam Ševčíková einen Gegenbesuch ab. Jetzt war klar, wir wollen es miteinander versuchen. Es folgten weitere Besuche und Gegenbesuche, und im März 2006 wurde endgültig beschlossen, unserer Freundschaft mit einer offiziellen Partnerschaftsurkunde einen festen Rahmen zu geben. Diese wurde dann 2006 im Rahmen unseres 150jährigen Jubiläums vom neuen Vorsitzenden der KF Velká Bíteš, Ladislav Koubek, und unserem damaligen Vorsitzenden Franz Mayer jun. unterzeichnet.

 

Die Verständigung untereinander ist nicht immer leicht. Wir sprechen kein Tschechisch und unsere Freunde beherrschen nur teilweise die deutsche oder die englische Sprache. Dennoch hatten wir immer viel Spaß miteinander, verständigen uns irgendwie, sei es mit Händen, Füßen oder Gesten; man unterhält sich dadurch konzentrierter. Andere Menschen und Kulturen kennenlernen und gemeinsam etwas erleben, sich austauschen und voneinander lernen ist spannend und auch immer ein Erlebnis. Alle Begegnungen haben schöne Erinnerungen und Eindrücke hinterlassen. Mögen noch viele solcher Begegnungen stattfinden, unsere Partnerschaft sich weiter vertiefen und wir alle etwas mehr zusammen wachsen.